Der Männerschnupfen – der nie erhörte Hilfeschrei

Männer sind Weicheier. Diese Aussage trifft absolut zu. Denn ein Mann zu sein, ist in der heutigen Zeit stark damit vergleichbar, ein „Dreiminutenei“ zu kochen. Entweder ist es bereits zu hart, oder noch zu weich und schleimig. Nur in sehr seltenen Fällen ist das Ei genau richtig. Emanzipation in allen Ehren aber müsst Ihr es uns so verdammt schwer machen. Wollen wir den Beschützer und den Gentleman raushängen, sind wir sexistisch, haben wir aber Schnupfen, sind wir weinerlich und peinlich.

männerschnupfen

Ein paar Beispiele von Männlichkeit

Adonis war ein Pummelchen. Er hatte hier und da Fettpölsterchen und war nicht gerade wie ein „V“ geformt. Ok, er war ein Gott. Das war wohl damals in etwa gleich bedeutend, wie es heute ist, einen Backstage- oder Artist-Pass an einem Konzert oder Festival zu besitzen. Dennoch ein gutes und vor allem klares Vorbild für den Mann. Genau wie später (ziemlich viel später) Humphrey Bogart in den 20er Jahren. Ein harter Gentleman mit moralischen Grundwerten und viel Brusthaaren. Bewusst auf Sixpacks verzichtend, den er trank höchstens guten Schnaps und das selbstverständlich obwohl oder gerade weil das zu dieser Zeit verboten war. Klare Richtlinien: Brusthaare, elegant Gesetze brechen, einen Hut tragen und charmant zu Frauen sein, wenn sie das „Arschloch-Sein“ von einem überstanden hatten. Ähnlich bei James Dean. Nur, da durfte man (musste aber nicht) etwas glattrasierter sein. Immer noch Gentleman (nicht zu verwechseln mit Wonniger) und ein kleinwenig Arschloch. Klare Richtlinien.

Das Problem der Vielfalt

Man könnte über die 70er, 80er und 90er auch noch mehr geradlinige Vorbilder aufzählen. Aber in diesem Artikel geht es um uns, um Männer aus dem Jahr 2015. Die Vielfalt der heutigen Vorbilder verunmöglicht es, alle auf zu zählen, ohne den gesamten Webspace dieser Website aufzubrauchen. Doch genau das ist die Aussage. Wir sind verloren in der Vielfalt. Verloren in den Möglichkeiten. Wir tragen Bärte, wollen (müssen) Federführend (in diesem Kontext bedeutet Feder Penis und nicht Feder, ausser die Frau will es, aber auch dann sind wir nicht sicher, ob sie Feder oder Penis meint) beim Sex sein und krempeln gleichzeitig unsere Hosenenden hoch (Ja sogar bei minus 15 Grad), tragen „Rörchenjeans“ und rasieren uns die Brust. Das ist alles schön. Es liegt zwar im Auge des Betrachters, wie schön es ist, aber die Tatsache, dass wir das alles dürfen, ist schön. Trotz diesem grossen Schritt der Annäherung vom Mann an die Frau, sind wir immer noch am Anfang. Denn mal ehrlich, es nützt mir einen Scheissdreck, wenn ich mir die Brust rasieren und auf Zalando bestellen darf, aber immer noch als Weichei gelte, wenn ich weine, oder als Sexuell uninteressant, wenn ich ein guter Zuhörer und einfach ein Scheiss netter Kerl bin.

Des Hippster’s Arschloch

Wenn wir schon bei Scheisse sind, dann richtig. Wir sind verloren. Wir sollen zur gleichen Zeit Arschloch sein, gut Zuhören können, das Alpha-Tier raushängen lassen, aber nicht immer mit unseren Kumpels Bier trinken gehen, obwohl ein Mann der Biertrinkt doch etwas sexy ist. Neuer Trend wird wohl in naher Zukunft, dass man Converse-Schuhe trägt, die Rasierte Brust im Ausschnitt zeigt, den Bart stutzt, einen Bierhut montiert, keine Unterhosen trägt und die hippen Risse in der Hose beim Hintern platziert, damit man ständig das Arschloch in einem sieht. Somit wäre allen gedient. Bier trinken, modisch sein, das innere Arschloch zeigen und Bart tragen.

Der Schnupfen

Ehrlich, wir sind ein wenig verloren. Wir wollen immer noch Männer sein. Die anatomisch einfach anders gebauten Männer. Aber wir wollen auch gehört werden. Da dies leider immer noch schwierig ist, haben wir uns in den letzten 500 Jahren der Evolution etwas Gutes angeeignet: Den Männerschnupfen. Der universale Kommunikationskanal zwischen Mann und Frau. Der Hilfeschrei der Männer. Unter dem Deck- oder sogar Schutzmantel einer Krankheit dürfen wir uns offenbaren. Dürfen uns herantasten an die unterbewusst verbotenen Zonen der Männlichkeit.

Immer Beschützer sein, ist anstrengend. Wir wollen auch gehalten, liebkost und umarmt werden. Wir wollen, dass Ihr uns über die Stirn streichelt, uns Tee macht und mit Pulmex einreibt, damit wir schnell (aber bitte nicht zu schnell) wieder gesund werden. Ja, wir wollen und wir dürfen das.

Hier nun ein kleine Bitte: Wenn Euer Freund, Schwarm, Liebhaber, bester Freund, das nächste mal Schnupfen hat, wertet es nicht als den klassischen, peinlichen, verweichlichten Männerschnupfen. Hört ihm einfach zu, zeigt verdammt noch mal Eier und kümmert Euch um den armen Kerl.

Danke

2015-01-15_150215_111905

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.