Komm mir nicht nach Hause, bevor Du nicht den Sandkasten leer gefressen hast

Mit der verbesserten Empfängnisverhütung kam die Planung des Kindes. Mit der Planung des Kindes, begann dessen Verweichlichung. Durch die Verweichlichung stieg die Fürsorge. Warum das nicht immer gut ist und ein Kind mal wieder den Sandkasten ausfressen sollte.

sandkasten

Der Masterplan

Wir können heute ziemlich genau steuern, wann wir ein Kind in die Welt setzen. Man könnte meinen, jeder erhält nach seinem Schulabschluss eine „To do Liste – Version vor dem Kind“, auf welcher er nachlesen kann, was er alles erledigt haben muss, bevor er ins neue Leben, das Leben mit Kind tritt. Mindestens ein Jahr reisen, viele One-Night-Stands, einmal ein Unternehmen gegründet haben und in einer anderen Stadt leben, auch wenn’s Dir dort gefällt wo Du bist. Ist das alles erledigt, wird ein Kind gezeugt, eventuell auch um die aktuelle Beziehung zu retten (gute Idee). Dein ein und alles, das liebste und coolste Wesen auf der Welt. Du weißt schon jetzt, Du wirst es mit Liebe überhäufen, du weißt dein Kind wird cool und nicht so wie die anderen Kinder und Du willst ihm garantiert noch mehr Aufmerksamkeit schenken, als Du bekommen hast. Da beginnt der Masterplan. Ein Kind hat von Beginn weg gar keine Chance ein Kind zu sein. Ein Kind ist ein Projekt.

Milestones

Wie in jedem Projekt, welches über eine solch lange Dauer realisiert werden muss, gibt es Milestones. Gehen mit eins, sprechen (spätestens) mit zwei, ein einzigartiges Talent entdecken (allerspätestens mit vier, wegen der Förderung). Damit die Erwartungen erfüllt werden können, muss man von Beginn weg darauf achten, dass das Kind auf keinen Fall Krank wird. In einem Projekt sind ausfälle nicht zu dulden. Aus diesem Grund punktet man an Baby Partys, wenn man den werdenden Eltern ein Desinfektionsspray schenkt. (Gebrauchsanweisung: Augen, Nase und Mund des Kindes zuhalten, solange sprayen bis ein schimmernder Schutzfilm die Komplette Haut des Kindes bedeckt). Das ist zum einen sehr gut für den Schutz des Kindes zum andern, erinnert es einem immer daran, dass der Winzling (und /oder die Winzlingin) einer Trophäe ähnelt. Denn man darf ja nicht vergessen, das Kind soll in erster Linie Dich glücklich machen.

Der Mittelpunkt

Die Beziehung ist nicht mehr wichtig. Nein, ehrlich nicht. Freunde auch nicht. Einfach nicht wichtig. Das wichtigste auf der Welt ist das Kind. Es erfordert all Eure Liebe, welche Ihr also nicht mehr für Euren Partner oder für Eure Freunde verschwenden könnt. Das könnt Ihr dann wieder, wenn das Kind ausgezogen ist, irgendwann in 20 bis 35 Jahren. Denn nur so lernt das Kind die Realität, nämlich, dass ihm alles Geschenkt wird in der Welt. Je weicher, desto besser. Wenn man lange genug schreit, kriegt man im echten Leben alles. Denn man ist auch im späteren Leben immer der Mittelpunkt. Die Lehrer, die zukünftigen Bosse und Arbeitskollegen, eher unwichtig. Man selbst ist der Mittelpunkt der Erde. Man ist DAS Individuum. So hat man es ja zumindest gelehrt.

Mehr Dreck

Mal ehrlich. Nichts gegen Liebe. Liebe ist wichtig und kann nicht überdosiert werden. Allerdings vergessen die Meisten, dass Liebe auch Vertrauen beinhaltet. Vertrauen ins Kind, im Sinne von „Das packt der schon“. Eltern, die ihr Kind einfach machen lassen sind selten. Oft werden sie sogar schräg angesehen. Belächelt. Als Rabeneltern angesehen. “Das kann man doch nicht machen??!?!?”

 

Doch! Man kann! Man muss! Es ist heute absolut notwendig, einfach mal auf der Parkbank zu knutschen, während einem entgeht, dass der Knirps (oder die Knirpsin), gerade ein paar Happen aus dem Sandkasten gegessen hat (evtl. sogar inklusive Katzenkot). Ja es wäre eventuell sogar ratsam dem Kind zu sagen, geh raus in den Sandkasten spielen und komm mir ja nicht nach Hause, bevor der Sandkasten leer ist.

Fazit: Mehr Dreck, mehr Gelassenheit.

Danke
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2 Gedanken zu „Komm mir nicht nach Hause, bevor Du nicht den Sandkasten leer gefressen hast“

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