Paul Newton, Spezialist für Gebäudetechnik

New York, Brooklyn 11.03.2015

3:15 Uhr, um diese Zeit klingelt meistens der Wecker von Paul Newton. Paul lebt mit seiner Familie im dritten Obergeschoss eines viereckigen Backsteingebäudes . Um die Vorgärten hier in der Gegend kümmert sich eigentlich niemand, alles wirkt grau, trist und ohne Perspektive.

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Paul wollte es anders machen, er hatte einen großen Traum. Den American Dream, vom Tellerwäscher zum Millionär. Die Realität sieht jedoch anders aus: Paul ist 56 Jahre alt, ein liebevoller Vater und fuhrsorglicher Ehemann. Seine Frau, er hatte Sie vor 47 Jahren in der Schule kennengelernt, ist schwer krank. Sein ältester Sohn, Simon, wurde vor zwei Jahren bei einer Schießerei, zwei Blocks weiter, getötet. Seine einzige Motivation, jeden verdammten Morgen um diese verdammte Uhrzeit aufzustehen, ist seine Tochter Robin. Sie ist 3 Jahre alt und weil die Paul und seine Frau Clara so gerne How i met your Mother guckten, nach Robin Scherbatsky benannt. Paul ist ein rechtschaffender Mann mit einem kleinen Geheimnis.

Brooklyns Viertel sind entweder überwiegend von Schwarzen oder Weißen bewohnt. Die Arbeitslosigkeit in Brooklyn ist seit Mitte der 1990er Jahre höher als in jedem anderen Bezirk in New York. In dem Viertel in dem Paul lebt, Crown Heights, ist sie dabei im Durschnitt am höchsten. Viele Menschen Kiffen, Trinken, nehmen Drogen, oder sind auf eine andere Weise kriminell. Viele träumen, genau so wie Paul davon, dass alles irgendwann hinter sich lassen zu können. Wenige werden es schaffen. Die Stadt macht die Menschen krank, aber das ist New York und das gehört dazu. New York ist nicht nur toll und hip, New York ist vor allem eines: Dreckig und kalt. Dort wo die Fassade glänzt, noch mehr als hier.

Doch je höher die Fassade, je glücklicher die Menschen wirkten, je sauberer die Innenstadt wurde, desto hässlicher wird es in den Menschen. Aber trotzdem Träumen alle von dieser Fassade. Es ist nicht alles Gold was glänzt, den Spruch hatte Paul schon häufig gehört, dennoch reicht es vielen zu glänzen, denn blenden ist besser als sich einzugestehen, dass es einem schlecht geht.

Paul träumt von Geld obwohl er weiß das es die Menschen zerstört. Er träumt von einem besseren Leben, einem Leben ohne Sorgen, einem Leben, wie es die mit der Fassade haben, die, auf der Upper Westside, oder der Upper Eastside.

Paul stellt sich morgens, wenn er noch ganz verschlafen ist, sich die Zähne geputzt hat und auf der Toilette sitzt, manchmal vor, wie das Leben wird, wenn seine Frau gestorben ist. Dann würde er alles ändern, dann würde es leichter von hier weg zu ziehen. Für die kleine Robin würde er es schaffen. Paul verdient Monatlich 1900 Dollar, zahlt 1000 Dollar Miete, 100 Dollar für sein Auto, ein verrosteter Chevrolet, und etwa 500 Dollar für die Medikamente und Behandlungen seiner Frau, der Rest geht für Essen drauf. Die Kleine kriegt davon noch nicht so viel mit, für Sie ist das Umfeld normal. Aber für Paul nicht. Paul weiß wie andere Menschen leben. Paul weiß, dass sein Leben, in diesem abgefuckten Haus, in dieser abgefucken Gegend, nicht lebenswert ist. Er weiß es, aber er kann es nicht ändern. Paul steigt wie jede Nacht in sein Auto und fährt zur Arbeit. Er Arbeitet beim Sicherheitsdienst, seit 26 Jahren.

Es ist eine warme Sommernacht, sternenklarer Himmel, fast romantisch um diese Uhrzeit, zumindest im Sommer, im Winter ist es die totale Hölle. Paul überquert gerade die Manhattan Bridge, als sein Telefon klingelt. Einsatz auf der Upper Eastside, dort wird um 5:00 Uhr ein reicher Investmentbanker hochgenommen. Paul, Spezialist für Gebäudetechnik, freut sich über solche Einsätze, er hat es schon häufig durchgezogen, wenn es diesmal klappt, hätte er genug Geld zusammen für ein neues Leben.

Es sollte wie jedes mal ablaufen, wenn ein reicher Typ von der Polizei hochgenommen wird. Paul war ja derjenige der die Türen öffnet, dann wird meistens jemand abgeführt und festgenommen, die Wohnung wird von der Polizei durchsucht, Spurensicherung, manchmal sind auch Hunde dabei. Irgendwann sind aber alle verschwunden, und dann, das hat er nun schon ein paar mal gemacht, dann kommt Paul nochmal zurück, ohne Polizei, ohne Spurensicherung und ohne Erlaubnis diese Tür erneut zu öffnen. Dann kommt Paul in seinem eigenen Auftrag, in dem Auftrag für ein besseres Leben für Ihn und Robin.

2015-01-15

 

 

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