Zwischen Prokrastination und Langweile. Warum fällt es uns so schwer, die Zeit zu genießen?

Als Kind hat es uns angewidert wenn wir Langeweile hatten. Damit waren wir nicht allein. Uns viel aber eigentlich immer etwas ein. Vor mehr als Hundert Jahren tat Friedrich Wilhelm Nietzsche sich schwer damit sich zu Langweilen. „Ist das Leben nicht hundertmal zu kurz für Langeweile?“

ambivalenz

Lange vor seiner Zeit empfand Johann Wolfgang von Goethe, einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung, ebenfalls ein ungutes Gefühl beim Gedanken an die Langeweile, wenn gleich er diese in etwas milderer Güte umschrieb.“ Langeweile ist ein böses Kraut, Aber auch eine Würze, die viel verdaut.“ Zu irgendwas war sie also doch gut, die Langeweile.

Früher verteufelt und heute ein Segen, Langeweile auf Abwegen.

Wir hingen rum und taten oft nichts. Einfach abhängen und denken. Gedanken finden. Fantasie, die verlorene Fähigkeit des Menschen. Ich kann mich oft daran erinnern das wir „Ich sehe was, was du nicht siehst“ gespielt haben. Tage haben wir damit verbracht, uns irgendeinen Unsinn auszudenken. Dafür brauchten wir nix. Es war egal, alles machte Sinn. Als Kind ist man unabhängig von Raum und Zeit, voll von Leichtigkeit. Das wird einem aber  erst viel zu spät bewusst! Erst wenn man groß ist!

Langeweile, das unwohle Gefühl

Wikipedia beschreibt Langeweile als „das unwohle Gefühl, das durch erzwungenes Nichtstun hervorgerufen wird“. Ich sehne mich nach Langeweile. Ich habe sogar das Gefühl ich liebe Langeweile. Viel zu selten kommt es vor das ich dieses Gefühl empfinde. Erzwungenes Nichtstun. Ist es in der heutigen beschleunigten Gesellschaft überhaupt noch möglich Langeweile zu haben? Wann tut man nichts? Ich tue oft nicht das richtige und manchmal sogar das Falsche. Aber das wird dann nicht Langeweile sondern Prokrastination genannt. Jedes mal, wenn das Gefühl der Langeweile entsteht, fühlt es sich eher danach an, etwas anderes gerade zu verpassen. Ist Langeweile, seit es Prokrastination gibt, vielleicht sogar etwas Positives? Langeweile ist der Teufel. Das Leben ist zu kurz dafür und doch sehne ich mich danach. Prokrastination ist das neue Übel. Von außen erwartet jeder ständige Erreichbarkeit. Wir haben verlernt alleine zu sein. Wir sind es aber auch nie. Wir sind auf Facebook. Wir haben Twitter und Instagram. Wir haben eigentlich immer eine Aufgabe. Wir stecken in den Zwängen der Prokrastination. Wenn wir etwas tun fühlt es sich gut an. Wenn wir nichts tun fühlt es sich schlecht an. Wir gehen dem Tun aus dem Weg und fühlen uns schlecht.  Das bestimmt unser Leben. In der Zwickmühle der Prokrastination. Ein hoch auf die Langeweile.

Kann Langeweile aktiv sein?

Kann ich mich zwingen Langeweile zu haben? Und ist das dann schön? Ich bin häufig von etwas gelangweilt. Die Ansichten der Menschen langweilen mich. Das Fernsehen langweilt mich schon seit Jahren. Die Gespräche die ich Führe Langweilen mich. Aber das ist nicht die Langweile die ich Suche. Das ist nicht die Langeweile die ich genießen will. Ich will nicht von etwas gelangweilt sein. Ich will bei etwas gelangweilt sein, nein, ich will bezugslos gelangweilt sein.

Chapeau!

2015-01-15

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